Hochsensibilität verstehen und schätzen

Hochsensibilität Test

Hochsensibilität ist ein aktuelles Thema. Es gibt mittlerweile viele Artikel, Bücher und Selbsttests zu diesem Persönlichkeitsaspekt. Doch was bedeutet es überhaupt hochsensibel zu sein?

Es gibt so Tage, da wird mir alles zu viel. Eigentlich ist das fast jeden Tag so. Ein Tag, der für andere normal ist, ist mir schon zu viel. Ich habe das Gefühl, ich bin so ganz anders, wie andere. Lange dachte ich, ich hätte psychische Probleme, wäre nicht so belastbar wie andere oder einfach sensibler. Doch heute weiß ich, dass es anders ist. Meine Empfindungen haben nämlich mit einer anderen Verarbeitung der Außenreize im Gehirn zu tun.

Hochsensibilität erkennen und nutzen
Sinnesreize werden intensiver verarbeitet. Bildnachweis Nathan Cowley @pexel.com

Was bedeutet Hochsensibilität?

Hochsensibilität kommt nämlich eigentlich vom englischen Begriff hyper sensitivity und würde dann auf deutsch richtigerweise Hypersensitivität heißen. Das bedeutet, dass die Sinneswahrnehmungen intensiver gefühlt werden, weil mehr Reize zwischen Nerv und Gehirn weitergeleitet werden. Du schmeckst, hörst, riechst, fühlst und siehst also intensiver. Das kann sich so zeigen:

Wenn jemand mir von einem emotionalen Erlebnis erzählt, höre ich nicht nur die Worte, sondern fühle auch die Gefühle, die er beschreibt.

Wenn ein Radler mit einem verschwitzten Radltrikot von mir vorbei fährt, könnte ich mich direkt übergeben und ich rieche den Duft noch meilenweit.

Wenn ich in die Stadt zum Shopping fahren soll, ist das für mich ein Graus. Ich fahre sehr ungern Zug und U-Bahn, weil ich die Stimmungen der Menschen aufnehme und darüber nachgrüble. Besonders schlimm ist es, wenn es so voll ist, dass mich jemand unabsichtlich berührt. Das empfinde ich als total übergriffig, obwohl es ein Versehen war.

Auf einer Party oder bei einem Konzert, wo andere Menschen richtig abfeiern, bekomme ich Zustände. Für mich ist das keine Entspannung, sondern purer Stress. Es ist mir nämlich viel zu Laut, viel zu stickig und viel zu bunt.

Wenn irgendwo in unserer Wohnung ein Fenster offen ist, merke ich die Zugluft sofort und ich mache mich auf die Suche um das Fenster gleich zu schließen.

Toben meine Kinder um mich herum und quietschen und lachen, ist mir das oft zu laut, obwohl ich sie sehr liebe. Wenn sie auf mir herum klettern, schmerzt mein Körper sehr schnell.

Das sind nur einige Beispiele aus dem Alltag.

Kennst Du das auch?

Bei Hochsensibilität kann man intensiv riechen
Intensiv riechen und sehen als Hochsensible. Bildnachweis Nicolas Postiglioni @pexels.com

Hochsensibilität – Teste Dich!

Das alles kommt Dir bekannt vor? Du überlegst, ob Du vielleicht auch hochsensibel sein könntest? Dann beantworte die folgenden Fragen mit ja oder nein und zähle Deine “JAs“. Der Test ist angelehnt an Elaine N. Aron.

  1. Ich fühle mich leicht überwältigt durch Eindrücke.
  2. Offenbar habe ich eine feine Wahrnehmung für Emotionen in meiner Umwelt.
  3. Die Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich.
  4. Ich reagiere eher empfindlich auf körperlichen Schmerz.
  5. Ich habe an geschäftigen Tagen das Bedürfnis, mich zurückzuziehen – entweder in ein dunkles Zimmer oder an einen anderen Ort, wo ich allein sein und mich von der Stimulation erholen kann.
  6. Auf Koffein reagiere ich heftiger als viele andere Menschen.
  7. Ich fühle mich schnell überwältigt von Dingen wie grelle Lichter, starke Gerüche, raue Textilien auf meiner Haut oder Polizeisirenen in meiner Nähe.
  8. Ich besitze ein reiches, vielschichtiges Innenleben.
  9. Laute Geräusche bereiten mir Unbehagen.
  10. Kunstvolle Musik bewegt mich tief.
  11. Manchmal liegen meine Nerven derart blank, dass ich nur noch alleine sein möchte.
  12. Ich bin ein gewissenhafter Mensch.
  13. Ich bin schreckhaft.
  14. Es bringt mich leicht aus der Fassung, wenn ich in kurzer Zeit viel erledigen muss.
  15. Wenn andere Menschen sich in einer Umgebung unwohl fühlen, weiß ich schnell, was dem anderen helfen würde.
  16. Ich werde ärgerlich, wenn man von mir erwartet, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.
  17. Ich gebe mir große Mühe, Fehler zu vermeiden oder Dinge nicht zu vergessen.
  18. Fernsehsendungen und Spielfilme mit Gewaltszenen meide ich.
  19. Ich fühle mich unangenehm erregt, wenn mich herum viel los ist.
  20. Hungergefühle stören nachhaltig meine Konzentration und beeinträchtigen meine Stimmung.
  21. Veränderungen in meinem Leben treffen mich sehr heftig.
  22. Ich bemerke und genieße feine Düfte, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke.
  23. Ich empfinde es als unangenehm, wenn ich mich mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigen muss.
  24. Für mich ist es sehr wichtig, mein Leben so zu organisieren, dass ich Situationen vermeide, in denen ich mich ärgern muss oder die mich überwältigen.
  25. Laute Geräusche, chaotische Szenen und ähnliche starke Reize stören mich.
  26. Wenn ich mit anderen Menschen konkurrieren muss oder beobachtet werde, während ich eine Aufgabe erfülle, macht mich das so nervös und unsicher, dass ich weitaus schlechter abschneide, als ich eigentlich könnte.
  27. Als Kind haben meine Eltern und Lehrer mich als sensibel oder schüchtern angesehen.
  28. Ich habe ein großes Interesse an spirituellen oder tiefgründigen Gesprächen und Themen.
  29. Ich fühle mich in einer kleinen Gruppe wohler, als unter vielen Menschen.
  30. Manchmal habe ich das Gefühl, ich könne Gedanken lesen.

(vgl. ARON, E. (2011): Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen. – 8. Aufl. Mvg Verlag. München.)

Wenn Du magst, kannst Du hier auch einen Online-Test ausfüllen.

Test für Hochsensibilität

Auflösung Test Hochsensibiliät

0-9 mal JA

Grelles Licht, laute Musik und viele Menschen machen dir nicht so viel aus. Du magst es gerne, wenn viel um Dich herum los ist. Je mehr passiert, umso interessanter für Dich. Auf Partys fühlst Du Dich wohl und kannst Dich trotz lauter Musik leicht unterhalten. Wenn jemand anders schlecht gelaunt ist, kannst Du Dir das anhören, aber es ist nicht Dein Problem. Du kommst mit Menschen gut zurecht und hast viele Freunde und Bekannte. In der Arbeit bist Du unkompliziert und kannst viele Projekte gleichzeitig jonglieren. Du gehörst wahrscheinlich zu den 80% der Menschen, bei denen die Hochsensibilität nicht vorkommt.

10-15 mal JA

Du fühlst Dich so in der Mitte. Manchmal kannst Du es gut aushalten, wenn viel los ist, oder Du viele Dinge gleichzeitig erledigen sollst. An guten Tagen hörst Du gerne während der Arbeit Radio und telefonierst nebenher. An schlechten Tagen wird Dir alles zu viel und Du würdest am liebsten zu Hause im Bett bleiben. Dann bist Du empfindsamer als sonst und schneller gereizt. Du gehörst wahrscheinlich zu den Menschen, die feinfühlig sind und eine gute Wahrnehmung für sich selbst und andere haben.

16-30 mal JA

Gerüche, Gefühle und Stimmungen nimmst Du stärker wahr, als andere. Shopping in der überlaufenden Innenstadt, große Menschenmengen oder Fahrten in der überfüllten U-Bahn sind ein Graus für Dich. An Tagen, an denen viel lost ist, möchtest Du am liebsten im Bett bleiben und weiterschlafen. In einem lauten Restaurant fällt es Dir schwer, ein Gespräch zu führen und das Zuhören ermüdet Dich schnell. Wenn Du Hunger hast, oder das Gefühl, dass Dir alles zu viel wird, kannst Du auch aggressiv werden und andere anschnauzen. Das tut Dir dann aber auch gleich wieder leid, weil Du die Irritation des anderen spürst. Menschen erzählen Dir immer wieder ihre Geschichten und Sorgen, weil du offenbar ein guter Zuhörer bist. Das stimmt auch, denn Du spürst die Emotionen des anderen am eigenen Körper und kannst Dich bestens in den anderen hineinversetzen. Oft wird Dir das jedoch zu viel und Du fühlst Dich ausgelaugt und durchdrungen. Wenn Du in einen Raum kommst, merkst Du gleich wie die Stimmung gut ist. Es ist wahrscheinlich, dass Du zu den 20% der Menschen gehörst, die hochsensibel sind.

Als hochsensible Person gut leben
Bildnachweis Bess Hamiti@pexels.com

Hochsensibel – und nun?

Herzlichen Glückwunsch! Erst einmal, ist es toll, dass Du heute eine Selbsterkenntnis gewonnen hast. Das hilft Dir, Dich selbst besser zu verstehen.

Ich habe mich jahrelang in meinem Beruf überfordert, gestresst und überreizt gefühlt. Ich war oft so fertig, dass ich Mittags mein Büro abgesperrt und geschlafen habe. Ich wusste nicht, was mit mir los ist. Lange Zeit war ich krank geschrieben und dachte, ich hätte psychische Probleme. Heute weiß ich, dass ich hochsensibel bin und nicht krank. Das hilft mir sehr meinen Alltag zu meistern und mich selbst besser zu verstehen.

Die Vorteile Deiner Hochsensibilität

Du bist sehr empathisch und sehr einfühlsam. Mit anderen Menschen gehst Du sehr oft rücksichtsvoll um. Du erlebst Dein Leben intensiver, schmeckst gutes Essen mehr. Du hast Tiefgang und interessierst Dich für spirituelle Themen. Dadurch bist Du ein wunderbarer Gesprächspartner. Für andere bist Du oft ein guter Ratgeber, weil Du strukturiert denkst und Gedankengänge ordnest. Du bist sehr kreativ und Dir fallen originelle Problemlösungen ein. Das sind alles Qualitäten, die Dich in Deinem Beruf und in Deinem Umfeld auszeichnen.

Die Herausforderungen Deiner Hochsensibilität

Stellst Du oft Deine eigenen Bedürfnisse zurück, um die Harmonie zu erhalten und keinem auf die Füße zu treten? Kannst Du schlecht „nein“ sagen? Kannst Du Dich schlecht abgrenzen oder stop sagen, wenn Dir etwas zu viel wird?

Wenn Dir das bekommt vorkommt, empfehle ich Dir diese Information von zartbesaitet.net Liebevoll abgrenzen lernen. Wenn Du weiter forschen möchtest, kontaktiere mich gerne. Gemeinsam können wir daran arbeiten, dass Du Deine Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen und artikulieren kannst.

Kontaktiere mich gerne. Deine Karo von Sternchen auf Erden